Multitasking kostet Dich 40% Deiner Produktivität

Die Wissenschaft ist eindeutig: Multitasking funktioniert nicht. Hier ist warum – und was Du stattdessen tun solltest.

Thilo Pfeil|14. November 2025|3 Min. Lesezeit
Fragmentierter Kreis versus vollständiger Kreis

Morgens drei Browser-Tabs offen, nebenbei die Mail-Inbox checken, während im Hintergrund Teams blinkt.

Und Du denkst: "Ich bin so produktiv gerade."

Bullshit.

Du verbrennst Deine mentale Energie wie ein Lagerfeuer im Sturm.

Meine eigene Multitasking-Hölle

Früher saß ich selbst 80 Stunden pro Woche im Büro. Drei Projekte parallel, fünf Meetings am Tag, ständig erreichbar.

Am Ende der Woche war ich erschöpft – und trotzdem nicht weiter als am Montag.

Warum?

Weil jeder verdammte Kontextwechsel mein Gehirn neu booten musste. Immer und immer wieder.

Was die Wissenschaft sagt

Die Zahlen sind brutal:

  • 40% Produktivitätsverlust durch Multitasking (American Psychological Association)
  • 23 Minuten durchschnittliche Wiederanlaufzeit nach einer Unterbrechung (UC Irvine)
  • 50% mehr Fehler bei paralleler Aufgabenbearbeitung (Stanford University)

Das sind keine Meinungen. Das sind gemessene Fakten.

Warum Multitasking nicht existiert

Was wir Multitasking nennen, ist in Wahrheit schnelles Hin- und Herschalten zwischen Aufgaben. Unser Gehirn kann bewusst nur eine Sache gleichzeitig verarbeiten.

Jeder Wechsel kostet:

  • Zeit (der Switch selbst)
  • Energie (das Gehirn muss sich neu orientieren)
  • Qualität (halbe Aufmerksamkeit = halbe Ergebnisse)

Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel. Nicht für Dich, nicht für mich, nicht für den Kollegen, der behauptet, er könne das.

Die Task-Switching-Kosten

Stell Dir vor, Du arbeitest an einem Bericht. Du bist im Flow, die Worte fließen.

Dann: Ping – eine Slack-Nachricht. Du antwortest kurz.

Was passiert?

  1. Dein Gehirn muss den aktuellen Kontext speichern
  2. Es muss den neuen Kontext laden
  3. Es muss die Nachricht verarbeiten
  4. Es muss eine Antwort formulieren
  5. Es muss zurück zum Bericht wechseln
  6. Es muss sich erinnern, wo Du warst
  7. Es muss den Flow wieder aufbauen

Das dauert im Schnitt 23 Minuten. Für eine 30-Sekunden-Antwort.

Die Illusion der Produktivität

Multitasking fühlt sich produktiv an, weil wir beschäftigt sind. Aber Geschäftigkeit ist nicht gleich Produktivität.

Echte Produktivität = Ergebnisse Multitasking = Aktivität ohne Ergebnisse

Der Unterschied ist riesig.

Was ich im Kloster gelernt habe

Sieben Wochen ohne Multitasking. Eine Sache, dann die nächste. Keine Parallelität.

Das Ergebnis war verrückt: Ich habe mehr geschafft als in Monaten vorher. Nicht weil ich mehr Zeit hatte, sondern weil ich die Zeit anders genutzt habe.

Fokussierte Zeit schlägt fragmentierte Zeit. Immer.

Die Monotasking-Alternative

Statt drei Dinge gleichzeitig halb zu machen, mach eine Sache ganz:

1. Time-Blocking

Blockiere Zeiten für spezifische Aufgaben. Keine E-Mails während der Fokus-Zeit.

2. Batch-Processing

Sammle gleichartige Aufgaben und erledige sie am Stück. Alle E-Mails in einem Block, alle Telefonate in einem Block.

3. Unterbrechungs-Diät

Schalte Notifications aus. Alle. Dein Fokus ist wichtiger als sofortige Antworten.

4. Deep-Work-Blöcke

Minimum 90 Minuten am Stück für wichtige Arbeit. Keine Ausnahmen.

Die 40%-Rechnung

Wenn Du durch Multitasking 40% Produktivität verlierst, dann gewinnst Du durch Fokus 40% dazu.

Bei einem 8-Stunden-Tag sind das 3,2 Stunden. Pro Tag.

In einer Woche: 16 Stunden. In einem Monat: 64 Stunden. In einem Jahr: Fast 800 Stunden.

Das ist keine Kleinigkeit. Das ist ein halbes Jahr zusätzliche Arbeitszeit.

Dein erster Schritt

Morgen früh: Schließe alle Tabs. Schalte alle Notifications aus. Nimm Dir die wichtigste Aufgabe vor.

90 Minuten. Eine Sache. Null Ablenkung.

Beobachte, was passiert.

Du wirst mehr schaffen als sonst am ganzen Vormittag. Und Du wirst weniger müde sein.

Das ist keine Magie. Das ist einfach, wie menschliche Gehirne funktionieren.

Hör auf, gegen Deine Biologie zu arbeiten. Nutze sie.

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