Dein Team ist nicht langsam – es ist abgelenkt
Warum Unterbrechungen alle 8 Minuten Dein Team ausbremsen und wie Du systematisch Deep Work im Unternehmen etablierst.
Neulich saß ich mit einem Unternehmer zusammen. 15 Mitarbeiter, gutes Team, trotzdem dauert alles ewig.
Seine Diagnose: "Die sind einfach zu langsam."
Meine Diagnose nach 20 Minuten Beobachtung: Sein Team wird alle 8 Minuten unterbrochen.
Das wahre Problem
Du kennst es auch:
WhatsApp pingt. E-Mails trudeln ein. Kollegen stellen "kurze Fragen". Meetings unterbrechen die Arbeit.
Am Ende des Tages haben alle viel gemacht – aber nichts fertig.
Das Problem ist nicht die Geschwindigkeit Deines Teams. Das Problem ist die Fragmentierung ihrer Aufmerksamkeit.
Die Mathematik der Unterbrechung
Jede Unterbrechung kostet im Schnitt 23 Minuten. Nicht die Unterbrechung selbst – sondern die Zeit, die es braucht, um wieder in den Flow zu kommen.
Rechne das mal durch:
- 6 Unterbrechungen pro Tag
- 23 Minuten Wiederanlaufzeit
- = 2,3 Stunden verlorene produktive Zeit
- Pro Mitarbeiter. Pro Tag.
Bei 15 Mitarbeitern sind das über 34 Stunden. Jeden. Tag.
Das ist keine Langsamkeit. Das ist struktureller Wahnsinn.
Warum wir Unterbrechungen tolerieren
Wir haben eine Kultur der ständigen Erreichbarkeit geschaffen. "Offene Türen" gelten als Zeichen guter Führung. Schnelle Antworten als Zeichen von Engagement.
Aber was wir eigentlich belohnen, ist Reaktivität statt Produktivität.
Die besten Ergebnisse entstehen nicht in kurzen Zeitfenstern zwischen Meetings. Sie entstehen in langen, ununterbrochenen Blöcken konzentrierter Arbeit.
Die Lösung: Fokus-Architektur
Es reicht nicht, Deinem Team zu sagen "Seid fokussierter". Du musst die Umgebung so gestalten, dass Fokus möglich wird.
1. Fokus-Blöcke einführen
Mindestens 2-3 Stunden pro Tag, in denen niemand gestört werden darf. Keine Meetings, keine Anrufe, keine "kurzen Fragen".
2. Kommunikationsregeln definieren
Was ist dringend genug für eine Unterbrechung? Was kann warten? Schaffe klare Kriterien.
3. Asynchrone Kommunikation fördern
Nicht jede Frage braucht eine sofortige Antwort. Loom-Videos statt Meetings. E-Mails statt Anrufe für nicht-dringende Themen.
4. Meeting-Diät
Jedes Meeting braucht eine Agenda, einen klaren Zweck und einen definierten Zeitrahmen. Alles andere ist verschwendete Fokus-Zeit.
Was ich im Kloster gelernt habe
Sieben Wochen ohne Unterbrechungen. Keine Handys, keine Slack-Nachrichten, keine Meetings.
Das Ergebnis? Meine Produktivität explodierte. Nicht weil ich plötzlich schlauer war, sondern weil ich endlich Zeit hatte, tief in Themen einzutauchen.
Dein Team ist genauso fähig. Du musst ihnen nur die Möglichkeit geben.
Die Kultur der Unterbrechungsfreiheit
Der schwierigste Teil ist die kulturelle Veränderung. Viele Mitarbeiter fühlen sich unwohl, wenn sie nicht sofort antworten. Manche Führungskräfte interpretieren Nicht-Erreichbarkeit als mangelndes Engagement.
Aber genau das Gegenteil ist wahr: Wer seine Fokus-Zeit verteidigt, liefert bessere Ergebnisse. Wer ständig erreichbar ist, liefert mittelmäßige Arbeit in Überstunden.
Der Gamechanger: Fokus-Zeiten im Team-Kalender
Eine simple Maßnahme mit riesiger Wirkung: Blockiere für das gesamte Team gleichzeitig Fokus-Zeit. Zum Beispiel:
- Dienstag und Donnerstag, 9-12 Uhr
- Keine Meetings, keine Anrufe, keine Störungen
- Alle arbeiten konzentriert an ihren Prioritäten
Das funktioniert, weil niemand das Gefühl hat, etwas zu verpassen. Wenn alle gleichzeitig fokussiert arbeiten, gibt es keinen Grund zur Sorge.
Dein erster Schritt
Beobachte morgen mal einen Deiner Mitarbeiter. Zähle die Unterbrechungen. Miss die längste ununterbrochene Arbeitsphase.
Die Zahlen werden Dich erschrecken.
Aber sie sind der erste Schritt zur Lösung. Denn was gemessen wird, kann verbessert werden.
Dein Team ist nicht langsam. Es wird nur systematisch daran gehindert, sein Potenzial abzurufen.
Ändere das System – und die Ergebnisse kommen von allein.