Die 'Ich hab keine Zeit'-Lüge: Was wirklich dahinter steckt

'Keine Zeit' heißt in Wirklichkeit 'Es ist mir nicht wichtig genug.' Warum diese Erkenntnis weh tut – und wie Du Deine Zeit zurückgewinnst.

Thilo Pfeil|08. Dezember 2025|4 Min. Lesezeit
Uhr mit Zeit für unwichtige vs. wichtige Dinge

Die 'Ich hab keine Zeit'-Lüge (und was dahinter steckt).

Du kennst das:

  • Kollege fragt, ob du beim Projekt hilfst. "Keine Zeit."
  • Chef will ein Meeting. "Keine Zeit."
  • Partner schlägt Wochenendtrip vor. "Keine Zeit."

Aber 47 Minuten Instagram scrollen? Kein Problem. Die Serie weiterschauen? Läuft. Noch eine Stunde E-Mails sortieren? Selbstverständlich.

Mal ehrlich.

Die unbequeme Wahrheit

"Ich hab keine Zeit" heißt in Wirklichkeit: "Es ist mir nicht wichtig genug."

Diese Wahrheit tut weh. Verdammt weh.

Weil sie bedeutet: Wir entscheiden uns jeden Tag aktiv gegen Dinge, von denen wir behaupten, sie seien uns wichtig.

  • "Ich habe keine Zeit für Sport" → Ich priorisiere anderes höher als meine Gesundheit
  • "Ich habe keine Zeit für Familie" → Ich priorisiere anderes höher als meine Beziehungen
  • "Ich habe keine Zeit für strategische Arbeit" → Ich priorisiere Operatives höher als Weiterentwicklung

Das ist keine Kritik. Das ist eine Feststellung. Und der erste Schritt zur Veränderung.

Warum wir "keine Zeit" sagen

"Keine Zeit" ist eine bequeme Ausrede, weil sie:

1. Die Verantwortung abgibt

"Ich kann nichts dafür, die Zeit reicht einfach nicht." Als hätten wir keinen Einfluss auf unsere Terminkalender.

2. Konflikte vermeidet

"Keine Zeit" klingt neutraler als "Das ist mir nicht wichtig genug." Es verletzt niemanden direkt.

3. Uns produktiv fühlen lässt

"Ich bin so beschäftigt!" wird in unserer Gesellschaft oft als Statussymbol gesehen. "Keine Zeit" signalisiert: Ich bin wichtig, gefragt, unverzichtbar.

Die Zeit-Wahrheit

Wir alle haben 24 Stunden am Tag. Die gleiche Zeit wie Elon Musk, wie die erfolgreichste Unternehmerin der Welt, wie der gelassenste Mensch, den Du kennst.

Der Unterschied liegt nicht in der Zeit. Er liegt in den Entscheidungen, wie wir sie nutzen.

So gewinnst Du Deine Zeit zurück

Schritt 1: Ehrliche Inventur

Eine Woche lang: Tracke, wofür Du Deine Zeit wirklich verwendest. Nicht, wofür Du sie verwenden willst. Wofür Du sie tatsächlich verwendest.

Die meisten Menschen sind schockiert, wenn sie das zum ersten Mal machen.

Schritt 2: Prioritäten-Check

Schau auf Deine Zeit-Inventur. Spiegelt sie Deine Werte wider? Wenn Dir Familie wichtig ist – wie viel Quality Time steht dort? Wenn Dir Gesundheit wichtig ist – wie viel Sport?

Wo ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität?

Schritt 3: Bewusste Entscheidung

Ab jetzt: Sage nicht mehr "Ich habe keine Zeit für X." Sage stattdessen: "X ist mir gerade nicht wichtig genug."

Das klingt härter. Aber es zwingt Dich, bewusste Entscheidungen zu treffen.

Schritt 4: Kalender-Wahrheit

Was Dir wichtig ist, gehört in den Kalender. Nicht als "wenn ich Zeit habe", sondern als fester Termin. Sport um 7 Uhr? Steht im Kalender. Strategiezeit? Geblockt. Date Night? Eingetragen.

Was nicht im Kalender steht, wird nicht passieren.

Mein Zeit-Wakeup-Call

Mein eigener Wakeup-Call kam, als meine Partnerin fragte: "Wann haben wir das letzte Mal wirklich Zeit zusammen verbracht?" Ich wollte "Sonntag" sagen – aber Sonntag hatte ich gearbeitet. Samstag auch. Der letzte echte gemeinsame Abend? Drei Wochen her.

Ich hatte "keine Zeit" für das, was mir angeblich am wichtigsten war.

Das hat sich geändert. Nicht weil ich plötzlich mehr Zeit hatte. Sondern weil ich andere Entscheidungen getroffen habe.

FAQ

Wer hat ihn gefüllt? Wenn Du ihn gefüllt hast, kannst Du ihn auch wieder leeren. Wenn andere ihn gefüllt haben, ist das ein Grenzen-Problem, kein Zeit-Problem.

Weniger als Du denkst. Liste mal auf, was Du wirklich MUSST. Dann hinterfrage jeden Punkt: Was passiert, wenn ich das nicht mache? Oft: weniger als erwartet.

'Das passt gerade nicht in meine Prioritäten' oder 'Ich fokussiere mich gerade auf X' sind sozialverträgliche Versionen. Die Ehrlichkeit ist für Dich – nicht unbedingt für andere.

Dann hast Du keine Prioritäten. Priorisieren heißt: bewusst entscheiden, was wichtiger ist als anderes. Wenn alles gleich wichtig ist, ist nichts wirklich wichtig.

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